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Praxis

Das Philosophieren wird oft als „Denksport oder Luxus“ bezeichnet, und manche glauben, dass da „zuviel gegrübelt“ wird.
Jedoch stellt stellt Philosophieren in der Praxis einen aktiven und die Gemeinschaft fördernden Prozess dar. Menschen bekommen die Möglichkeit, sich wertschätzend zu einem Thema auszutauschen, eine Meinung zu bilden und praktische Übungen dazu kennen zu lernen. Philosophieren ist ein lebendiges Bildungsprinzip und eine Kulturtechnik. Es ist die Möglichkeit in Gruppen, in Teams, die miteinander arbeiten oder beispielsweise in einer Klassengemeinschaft eine Kultur des Austauschs und Gesprächskultur zu entwickeln. Nach den neuesten Erkenntnissen funktioniert Gemeinschaft dadurch am Besten.
Philosophieren fördert die eine wertschätzende Streitkultur, wo unterschiedliche Sichtweisen Platz haben und sich entwickeln dürfen. Menschen sind nicht immer einer Meinung und es benötigt einen Rahmen, wo alle Meinungen und Vorstellungen sein dürfen. Wenn Kinder und Erwachsene beginnen, ihre Ansichten bei sich zu behalten und nur mit sich selbst oder über die Social Media Antworten zu finden, wird es problematisch, was die Weltsicht, den sozialen Umgang und eine gesunde Psyche anbelangt.

Philosophieren benötigt in der Praxis jemanden, der es initiiert und anleitet, also diesen Raum für Übungen und Austausch öffnet. Ähnlich wie beim Klettern oder Tanzen ist das Philosophieren ein Lernprozess und kein einmaliges Event, auch wenn man nach dem ersten Kennenlernen schon ein paar Schritte gehen kann.

Das Philosophieren kann in allen Lebensbereichen zu unterschiedlichen Themen stattfinden: im Jugendzentrum mit Jugendlichen, mit Politikerinnen im Rathaus, mit Frauengruppen im Park, in Schulen, in LehrerInnen Teams, mit DirektorInnen, in Fortbildungen, in Workshops des Wien-Museums oder auf Bildungsmessen! – Ein paar Beispiele, was wir mit der Akademie alles bereits umgesetzt haben. Hier zeigen wir Dir ein Beispiele aus unserer gelebten Praxis:

Bildungsbereich

Pädagog*innen in Bildungseinrichtungen sehen sich zunehmend mit Lebensthemen bei den Schüler*innen konfrontiert, die in den Schulen aufgearbeitet werden müssen, um überhaupt Lernstoff vermitteln zu können. Beim Philosophieren kann man Konflikte aufgreifen, wertschätzende Kommunikation und Empathie lernen.

Deshalb müssen wir heute Bildung auch ganz neu denken! Denn zur Bildung gehört Schlüsselkompetenzen wie soziales Verhalten oder eine gesunde Streitkultur. Es ist etwas, dass wir nicht aus Büchern lernen können – es muss praxisnah erlebt werden!

Philo Art Camp

Wir haben Philo Art Camps ins Leben gerufen, wo Eltern und Kinder einen Freiraum, selbst gestaltete Abenteuer, Upcycling-Workshops, eigene Modeshows und Mehr gestalten können. In den Jahren 2020 bis 2023 konnten wir mit Hilfe der Grünen Bildungswerkstatt die Camps für Kinder von vorwiegend Alleinerziehenden anbieten. Federführend war dabei Neslihan Turan Berger, die hier das Netzwerk initiierte.

Philosophieren mit ganz großen Gruppen

Ein legendäres Event mit 21 Stationen, 450 Teilnehmenden und jede Menge Inhalt, der mit dem Philosophieren verknüpft wurde, durften wir am Zeltlager Kinderfreunde Niederösterreich gestalten. Hauptinitiatorin war dafür Lena Korherr, die von der Akademie zur philosophischen Gesprächsleitung ausgebildet wurde und auch am Philo Art Camp aktiv ist.

Tanzmusical

in einer Volksschule in Wien 17, mit Philosophieren, Themen ausarbeiten und Tanzen mit Barbara Windtner.

„Mit Sandburgen die Welt verändern“

Wohl einer der schönsten Sätze eines Kindergarten-Kindes diente als Titel für das gleichnamige Buchmit dem Forum Umweltbildung zum Thema „Veränderung“.

Philosophieren in Museen oder mit Prominenten

macht auch immer wieder viel Spaß, hier mit Werner Gruber & Team zum Thema „Glück“

Lebensfragen-Oase

ist ein gemeinnütziges Projekt der Akademie. Diese „Grätzloase“ steht für das Gemeinwohl und erobert den öffentlichen Raum für Bürger*innen zurück, der sonst nur abgestellten Autos dient (Standort: Alfred-Wegener-Gasse 21, 1190). Seit 2020 sind Lebensfragen ausgestellt, die Kinder und Eltern dürfen Platz nehmen, manche machen Aufgaben, andere Plaudern oder warten einfach nur. An den Enden sind zwei Weltkugeln dargestellt, die die großen Fragen des Lebens auf der Erde tragen wie z.B. „Wie wollen wir Leben?“. Hier Torsten Büsing beim Test!

Kinder-UNI Wien

Das Philosophieren bedeutet Forschen und viele Kinder forschen sehr gerne. Neugierig sind im Grunde alle sehr. Wir müssen es nur fördern. Auf der Kinder Uni forschen wir z.B. zur Frage „Was ist Natur?“ und machen eine spannende Übung. Hier Uly Paya mit den Kindern.

Eltern Kind Wochendende

Vom Nähworkshop zum „inneren Ich“ bis hin zu einem Workshop, wo man selber ein Spiel erfinden kann gibt es immer ein Programm, wo man gemeinsam mit seinen Kindern in Themen eintauchen kann. Ein wunderbahrer Rahmen direkt im Garten der Akademie.

Theorie versus Praxis

Philosophie versus Philosophieren

Essay von Uly Paya

Wir erleben in Workshops und Vorträgen oft, dass meist zwischen Philosophie und Philosophieren nicht differenziert wird. Aus unserer Sicht ist das ein „Theorie und Praxis Problem“. Ein Buch über Gebirgswanderungen oder etwas das Hochalpingebirge zu lesen ist vergleichsweise etwas völlig anderes, als selber mit dem Rucksack loszumarschieren! Und so verhält es sich genauso beim Philosophieren und der Philosophie. Anstatt theoretische Abhandlungen zu diskutieren, werden die Inhalte, Fragen oder Erfahrungen beim Philosophieren anhand in der Gruppe selbst erlebt und erarbeitet. Es geht beim Philosophieren also um den Prozess, der zum Unterschied von der Philosophie, kein Ergebnis als Ziel hat. Im Zentrum steht aber das Individuum, welches eigene Gedanken entwickeln und in der Gruppe hinterfragen kann. Es geht beim Philosophieren also nicht um das reine Zitieren von vorhandenem Texten oder Konzepten aus der Philosophie. Sie können eine willkommene Ergänzung für jene sein, die sich darin vertiefen möchten.

In den letzten Jahrzehnten ist eine Vielzahl von Varianten des Philosophierens entstanden, die größtenteils noch auf die allerersten Versuche des Philosophierens zurück gehen und sich bis heute halten. So gibt es „Kinderphilosophie“, „Philosophie für Kinder“ (= p4c = philosophy for children), „Kinder philosophieren“ oder das „Philosophieren mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen“, wie wir es in unseer Akademie nennen, weil wir das Philosophieren für alle Altersgruppen entwickeln und anbeiten. Alle Varianten des Philosophierens unterscheiden sich voneinander in ihrer Methodik und Herangehensweise, manmal auch durch ihren grundsätzlichen Ansatz. Es verhält sich dabei vergleichsweise wie beim Tanzen, wo es eine Vielzahl von Angeboten gibt, also beispielsweise gibt es Gruppentänze genauso wie kreative Paartänze.

Die Akademie hat bereits vor vielen Jahren ein Modell entwickelt, welches die meisten Arten des Philosophierens vereint. In den Ausbildungen der Akademie werden diese Formen methodisch wie didaktisch vermittelt und praxisnah in vier Modulen und zwei Aufbaumodulen weitergegeben. Mehr Infos dazu unter

„Was bedeutet Philosophieren?“

In diesem Kurzvideo von 2015 zeigen wir kurz die Vielfalt des Philosophierens zusammengefasst.

Hier ein Spiel aus der Philosophier-Praxis

Dieses Video wurde im ersten Lockdown von uns für Kinder als Bewegungsspiel für zu Hause gemacht. Ihr könne es gerne selber versuchen!

Zitate aus der Praxis

„Ein Mädchen sagte drei Monate lang nichts. Doch als es dann beim Philosophieren um das Thema Heimat ging, brach sie plötzlich das Schweigen. Alle hörten gespannt zu. Das war ein magischer Moment.“
Philosophieren mit
Jugendlichen
„Dürfen wir heute als Hausübung philosophieren?“
Schülerin
Volksschule
„Ich habe das immer anders gedacht. Das muss ich jetzt neu denken.“
Hamzat
Jugendbildungszentrum
„Beim Philosophieren habe ich gelernt, dass es nicht nur um Wissen geht, sondern auch eine gute Haltung.“
Laura
Workshop
Vorschulkind (6)
Tossgasse zum Thema Freundschaft