

Wer bin ich?
Was ist ein Gefühl?
Was bedeutet Kreativität?
Welche Werte braucht eine Gemeinschaft?
Solche Fragen regen Kinder, Jugendliche und Erwachsene an, gemeinsam zu forschen und ihre eigenen Vorstellungen, Werte und Haltungen zu hinterfragen. Die Akademie hat dabei unterschiedlichen Ansätze zu der praxisnahen Kulturtechnik „Philosophieren mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen“verknüpft.
Sie beinhaltet Methoden und Ansätze des p4c (Philosophy for Children), der Kinderphilosophie, der gewaltfreien Kommunikation (GFK) sowie des Sokratischen Gesprächs.
Sowohl das Philosophieren mit Kindern als auch die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) teilen die Grundhaltung, dass jeder Mensch gehört, verstanden und ernst genommen werden möchte. Philosophieren schafft einen offenen Denkraum, in dem Kinder Fragen stellen, staunen und ihre eigenen Gedanken entfalten dürfen. Diese dialogische Atmosphäre unterstützt die Prinzipien des „Philosophierens“, indem sie dazu einlädt, Gefühle und Bedürfnisse klar auszudrücken und gleichzeitig achtsam zuzuhören. Wenn Kinder philosophieren, üben sie ganz natürlich, andere Perspektiven zu respektieren und ohne Bewertung nachzufragen – ein zentrales Element des Philosophierens sowie der GFK. Ebenso hilft der philosophische Dialog, Konflikte als Chancen zu betrachten, um gemeinsam neue Einsichten zu gewinnen. So integriert das Philosophieren die Welt der Gedanken und Gefühle gleichermaßen, indem es nicht nur intellektuelles Denken, sondern auch empathische, wertschätzende Kommunikation anhand von Gesprächen und Übungen wie Rollenspiele oder Aufgaben in der Gruppe fördert. Dadurch entsteht eine Lernkultur, in der Verständnis, Verbundenheit und Kooperation wachsen.
Die Didaktik und Methodik bietet einen bestmöglichen Zugang zum gemeinsamen Erforschen von wichtigen Themen in wertschätzender Umgebung. Philosophieren ist als nachhaltig wirkendes Bildungsprinzip zu verstehen und bietet zudem den geeigneten Raum für Persönlichkeitsbildung, Reflexion und Gruppenentwicklung.
Wir unterscheiden auch klar zwischen Philosophie und dem Philosophieren. Anstatt wie in der Philosophie theoretische Abhandlungen und PhilosophInnen zu „diskutieren“, werden die Inhalte beim Philosophieren in der Gruppe selbst erarbeitet. Dabei geht es primär um den eigenständigen Prozess, dem Selberdenken und um das Aufgreifen von wichtigen Lebensfragen. Der Austausch von Gedanken und um die Möglichkeit, praxisnah anhand von Übungen in Themenfelder einzutauchen, wird durch eine philosophische Gesprächsleitung vorbereitet und aktiv begleitet.
Philosophieren unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von einer Unterhaltung, einer Wissensvermittlung und einer Diskussion: In einer polarisierenden Medienlandschaft geht es um Ergebnisse und um eine Dafür- oder Dagegen-Sein. Das philosophische Gespräch wird aber ergebnisoffen, wertfrei und gemeinschaftlich geführt. Diese Methode geben wir in unseren Lehrgängen weiter.
Warum Philosophieren?
Philosophieren hilft, eigene Gedanken zu finden, ohne auf vorgefertigte Lösungen oder Ratgeber angewiesen zu sein. Es ist keine philosophische Theorie, sondern eine Kulturtechnik, die keine spezielle Vorbildung erfordert. In der Gruppe können Kinder und Jugendliche existenzielle Fragen diskutieren und eigene Ideen einbringen, was ein bewusstes Selbstbild fördert – besonders in einer Zeit der Orientierungslosigkeit.
Das Philosophieren stärkt die Fähigkeit zum Dialog und fördert kreatives Denken. Es unterstützt die Entwicklung von Empathie, Toleranz und Perspektivenübernahme, besonders in heterogenen Gruppen. Regelmäßiges Philosophieren in Bildungseinrichtungen hat positive Auswirkungen auf Wertschätzung, Selbstbewusstsein und respektvollen Umgang miteinander.
Gelebte Demokratie
Philosophieren ist höchst demokratiebildend, weil es genau jene Fähigkeiten fördert, ohne die Demokratie nicht funktionieren kann.
Erstens lehrt Philosophieren, selbstständig zu denken. In einer Demokratie reicht es nicht aus, Meinungen zu übernehmen oder Autoritäten zu folgen. Wer philosophiert, lernt zu fragen: „Warum glaube ich das?“ und „Gibt es gute Gründe dafür?“ Diese Fähigkeit ist grundlegend für eine lebendige Demokratie, denn mündige Bürgerinnen und Bürger treffen informierte Entscheidungen.
Zweitens stärkt Philosophieren die Dialogfähigkeit. Demokratie lebt vom Gespräch, vom Austausch unterschiedlicher Perspektiven. Philosophisches Denken übt, Argumente vorzubringen, zuzuhören, andere ernst zu nehmen und Kritik auszuhalten. Genau diese respektvolle Streitkultur ist ein Kernbestandteil jeder funktionierenden Demokratie.
Drittens fördert Philosophieren die Toleranz gegenüber Vielfalt. In der Demokratie gibt es keine absolute Wahrheit, sondern viele Sichtweisen, die nebeneinander bestehen müssen. Philosophieren macht bewusst, dass komplexe Fragen selten einfache Antworten haben. Das stärkt die Bereitschaft zum Kompromiss – ein zentrales Prinzip der Demokratie.
Viertens schärft Philosophieren das ethische Urteilsvermögen. Demokratie ist mehr als ein politisches System; sie ist eine Lebensform, die auf Verantwortung, Gerechtigkeit und Solidarität beruht. Philosophisches Nachdenken über Werte hilft, politische Entscheidungen nicht nur nach Eigeninteressen, sondern nach dem Gemeinwohl zu beurteilen – ein wesentlicher Beitrag zur Demokratie.
Kompetenzen
Das Philosophieren fördert eine Vielzahl von Fähigkeiten, darunter:
- Positives Selbstkonzept und Selbstwirksamkeit
- Kreativität und Problemlösefähigkeiten
- Empathie und respektvolle Kommunikation
- Kooperation, Konfliktfähigkeit und Wertehaltung
- Teamfähigkeit
Philosophieren als Bildungsprinzip
In vielen Schulen und Institutionen hat sich das Philosophieren als erfolgreiches Bildungsprinzip etabliert. Die Akademie setzt sich dafür ein, diese Methode weiter zu verbreiten und in den österreichischen Bildungskontext zu integrieren. Ein bekanntes Beispiel ist die Arbeit von Thomas E. Jackson, der eine Brennpunktschule in Hawaii mit hilfe von regelmäßigem Philosophieren zu einer der besten Schulen umgestaltete.
Für eine Erneuerung des Bildungssystems in Österreich bietet sich die Chance, das Philosophieren als wertvolle Methode in Lehrerausbildungen zu etablieren. Obwohl das Philosophieren für viele Pädagogen eine Herausforderung darstellt, hat sich in der Praxis gezeigt, dass es die Qualität der pädagogischen Arbeit erheblich steigert.
„Wie wollen wir eigentlich leben?“
Gerade in Zeiten von Mobbing und Diskriminierung bietet das philosophische Gespräch einen Raum, um schwierige Themen anzusprechen und respektvolle, wertschätzende Haltung zu fördern. Es stärkt das soziale Potential, die Kreativität und die Motivation der jungen Generation, Konflikte zu lösen und ein erfülltes Leben zu gestalten.
Erfahre, wie wir in vielen Projekten und Fortbildungen das Philosophieren praxisnah angewandt wird:
Kinderschutz und Kinderrechte
Das Philosophieren ist eng verbunden mit der Wertehaltung. Deshalb ist ein transparenter Umgang mit Kinderrechten und der Kinderschutz essentiell. Hier könnt Ihr unser Konzept zum Kinderschutz lesen: